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Die Hermetische Wissenschaft - Teil 6 von 9
von Dr. Friedrich Demolsky

Die geheime Botschaft d. zweiten hermetischen Gesetzes

Nun sind wir an jenem Punkt angelangt, an dem ich mich der Frage nach dem zweiten Teil des zweiten Gesetzes von Hermes Trismegistos, neuerlich zuwenden möchte.

Wir wissen bereits aus dem dritten Artikel dieser Serie, dass der zweite Teil des zweiten hermetischen Gesetzes wie folgt lautet:

Wie die Vorderseite, so die Rückseite

Wir haben inzwischen erkannt, daß es sich bei dem, was wir "Leben" bzw. "Tod" nennen, um eine Polarität handelt. Leben und Tod bedingen einander daher ebenso wechselseitig, wie etwa das Positive das Negative bedingt und umgekehrt.

Wenn uns Hermes in seinem zweiten Gesetz darauf hinweist, daß es sich bei jeder Vorderseite und Rückseite ebenfalls um Entsprechungen ein und desselben Geschehens oder Ablaufes handelt, dann dürfen wir daraus den Schluß ziehen, das alles, was für die Vorderseite einer Realität gilt, notwendig auch für deren Rückseite gelten muß.

Wir haben sohin weiters erkannt, daß es sich bei den von Hermes verwendeten Begriffen, "Vorderseite" und "Rückseite", ganz offensichtlich um eine weitere Bezeichnung für ein Gegensatzpaar, also um eine Polarität, handelt. Auch haben wir bereits erfahren, daß die hermetischen Grundsätze uneingeschränkt gelten und daher auch auf die Polaritäten selbst zutreffen müssen; diese sind es, die unser Dasein und das Sein überhaupt strukturieren und hervorbringen.

Wer mir bis hierher gefolgt ist, wird bereits verstanden haben, daß es sich beim Pol "Tod" nur um die Rückseite der Polarität "Leben/Tod" handelt, und umgekehrt stellt das "Leben" bloß die Vorderseite der selben Polarität dar.

Was aber ist die Konsequenz all dieser Überlegungen ?

Wir erinnern uns an das erste Gesetz des Hermes, wonach alles, was einen Anfang hat, auch ein Ende haben muß. Wir haben bereits festgestellt, daß dieses Gesetz für jenen Bereich, den wir "Leben" nennen, ohne Schwierigkeiten für jedermann einleuchtend ist.

Nochmals: Der Mensch wird gezeugt und geboren. Das Leben nimmt damit seinen Anfang, und es endet an jenem Tage, an dem die Seinsqualität, die wir "Leben" nennen, den Körper verläßt. Das Leben, das mit der Zeugung begonnen hatte, hat mit dem Eintritt des Todes sein Ende gefunden. Der Tatbestand des ersten hermetischen Gesetzes ist somit für die Vorderseite der Polarität "Leben/Tod" hergestellt.

Was aber ist gleichzeitig mit dem Übergang von der einen Seinsqualität in die andere eingetreten ?

Wir wissen bereits, daß der Pol "Tod" die Rückseite der Polarität "Leben/Tod" darstellt. Und wir wissen, daß der Eintritt des Todes mit dem Ende des gegenläufigen Pols "Leben" zusammenfällt, und dadurch auch seinen Anfang genommen hat.

Da nach dem zweiten Teil des zweiten hermetischen Gesetzes die Vorderseite stets der Rückseite entspricht, muß das, was für die Vorderseite der Polarität "Leben/Tod" gilt, auch auf für die Rückseite dieser Polarität gelten.

Mit anderen Worten:

Was für den Pol "Leben" ausgesagt wurde, muß in Ansehung des zweiten Teiles des zweiten Grundprinzips des Gottes Toth auch für den Tod zutreffend sein.

Wir haben das erste hermetische Prinzip auf das Leben umgelegt, und wir sind nach dem eben Gesagten berechtigt, diesen Grundsatz auch auf die Rückseite der Polarität "Leben/Tod" anzuwenden.

Die Konsequenz, die aus dieser Vorgangsweise resultiert, ist die Einsicht, daß der Tod mit dem Ende des Lebens seinen Anfang nimmt, und daher - entsprechend dem ersten hermetischen Prinzip - ebenfalls ein Ende haben muß.

Was aber ist das Ende des Todes ?

Das Ende dieser Seinsqualität kann sich nach dem bisher Vorgebrachten nur durch das Wiedererstarken des gegenläufigen Pols, des Lebens also, ausdrücken. Das Ende des Todes muß daher mit dem Beginn des Lebens zusammenfallen. Und tatsächlich scheint es so zu sein, daß das Ende des Tod mit der Inkarnation, mit der Fleischwerdung eines neuen Lebens, eintritt.

Es handelt sich beim zweiten Teil des zweiten Gesetzes um die gesetzmäßig nachvollzogen Notwendigkeit der Wiedergeburt zum Zwecke der transformatorischer Reproduktion alles Seienden, die wir hier gemeinsam entdeckt haben.

Stirb-und-Werde heißt die eigentliche Botschaft, die uns aus dem entschlüsselten zweiten Teil des zweiten hermetischen Gesetzes, "Wie die Vorderseite, so die Rückseite", unmissverstaendlich ins Bewußtsein tritt...

 

Dieser Artikel ist auch im Shaman Magazine der Internationalen Akademie fuer Schamanismus veroeffentlicht.

 

 

 


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