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Die Hermetische Wissenschaft - Teil 7 von 9
von Dr. Friedrich Demolsky

Hermes Trismegistos und das magische Weltbild

Sowohl auf Bali als auch im Westen gehen die Magier davon aus, daß alles Existierende miteinander in Verbindung steht. Diese Vorstellung resultiert daher, weil alles Seiende nur Ausdruck und Abbild jenes Wesens ist, das - im Gegensatz dazu - Alles-in-Einem ist.

"Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort...", lesen wir in der Bibel.

Dieser Satz macht zunächst für viele keinen Sinn. Mit einem Wort, das am Anfang der Schöpfung gewesen und gleichzeitig bei Gott und schließlich sogar Gott Selbst gewesen sein soll, können wohl nur die Wenigstens etwas anfangen.

Bedenkt man aber, daß dem Begriff 'logos' in der ursprünglich ins Griechische übersetzten Bibelfassung nicht nur die Bedeutung "Wort" zukam, sondern dieser Begriff auch mit "Vernunft" und "Sinn" übersetzt werden konnte, dann läßt diese Möglichkeit auf einen Übersetzungsfehler in der Genesis schließen.

"Am Anfang war der Sinn, und der Sinn war bei Gott, und Gott war der Sinn", sollte demnach wohl vermittelt und überliefert werden. Dieser Satz erweist sich nicht nur für den Magier als leichter nachvollziehbar, als das tradierte Bibelzitat.

Er bedeutet eben nichts anderes, als daß bereit vor dem eigentlichen Akt der Schöpfung ein Sinn vorhanden gewesen sein muß, dieser Sinn bei Gott gewesen sei, und daß Gott das Sinnvolle an sich waere.

Wir sehen, daß diese Form einer zulässigen Übersetzung weit mehr Sinn ergibt als die tradierte. Und sie hat auch mehr Bedeutung für den folgenden Versuch einer Erläuterung des magisch-schamanischen Weltbildes.

Das schamanisch-magische Weltbild

Alles was der Mensch in der Welt der Erscheinungen, in der materiellen Welt, schafft oder wirkt, nimmt seinen Anfang - und hier drängt sich eine gewisse Analogie zu unserer Übersetzung auf - im Bereich des Geistigen.

"Der Wunsch ist der Vater des Gedankens", heißt es seit alters, und das Kind des Wunsches, der Gedanke oder die Idee, ist seinerseits das Vorbild für das Abbild des vom Menschen Geschaffenen.

Der Wunsch - getragen vom Willen - ist der Motor für alles menschliche Handeln. Dessen Kind aber, die Idee, der emotionsgeladene Gedanke oder die zu einer mentalen Vorstellung verdichtete Idee, ist das geistige Konzept bzw der gedankliche Plan, der jeder effektiven und bewußten Umsetzung menschlichen Tuns vorausgeht.

Merke Dir also...

Erst entsteht immer der Plan, und erst später entsteht das Gebäude, das darauf gründet. Erst kommt der Finanzierungsplan, dann folgt der Wohnungskauf. Erst die die zündende Idee, und erst dann ihre konkrete Umsetzung in der materiellen Welt...

Hast Du nun die esoterischen Botschaften des Hermes Trismegistos verstanden?

Wie oben, so unten:

Erst der Sinn, das Wort, dann die Schöpfung...

Oder, auf die Welt des Menschen übertragen:

Erst die Idee, dann die Tat, die etwas hervorbringt...

 

Dieser Artikel ist auch im Shaman Magazine der Internationalen Akademie fuer Schamanismus veroeffentlicht.

 

 

 


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