Es wurde gezeigt, dass die ersten
erkennbaren Wurzeln des Schamanismus in den animistisch orientierten
Gemeinschaften des Paleolithikums anzusiedeln sind. Nach der Sesshaftwerdung
des Menschen breitetete sich der Schamanismus immer weiter aus und wurde
schliesslich zur Urreligion der Menschheit.
Im Neolithikum wurde von unseren Vorahnen Ackerbau
und Viehzucht betrieben. Die Menschen lebten in Stammes- und
Sippengemeinschaften zusammen. Sie teilten sich die Arbeit und unterhielten
sich durch Subsistenzwirtschaft. Ihre geistige Orientierung war der Animismus.
Dieser fruehe Glaube an die Beseeltheit der gesamten Natur, an einen Geist
oder eine Seele hinter den sichtbaren Erscheinungen und Kraeften, war der
Humus fuer das praechtige Gedeihen des Schamanismus.
In diesen fruehen Gemeinschaften gab es immer wieder
einzelne Individuen, die klueger und befaehigter waren als die Mitglieder
ihres Stammes. Diese Menschen wurden zu Fuehrern oder zu Ratgebern ihrer
Stammesgenossen, dh sie wurden zu dem, was wir heute unter dem Begriff
‘Schamane’ verstehen.
Jene
ersten Repraesentanten des Schamanismus kannten sich in den Mythen und
Sinnbildern ihrer Gemeinschaften aus und in der Natur mit den Tieren und
Pflanzen, Wurzeln und Kraeutern, die sie zum Wohle ihrer Stammesgenossen
anwendeten. Sie interpretierten die Zeichen der Natur und warnten vor den
Auswirkungen ihrer ungezaehmten Kraefte auf Wald und Feld (Missernten,
Blitzeinschlaege, Erdbeben usw.).
Als besondere Mitglieder ihrer Gemeinschaft, wurde es ihr Vorrecht, mit dem
Geist hinter der Erscheinung in Kontakt zu treten, um dessen Wuensche zu
erkunden. Und gleichzeitig ueberhahmen sie die Aufgabe, dieses Geistwesen im
Interesse ihrer Gemeinschaft guetig zu stimmen bzw zu besaenftigen. Dabei
bildeten sie im Lauf der Zeiten besondere Faehigkeiten aus, die es ihnen
erlaubten, Dinge zu ‘sehen’ und zu ‘hoeren’, die dem einfachen Mitglied ihrer
Sippe verborgen blieben. Schliesslich lernten sie, willentlich in die 'andere'
Welt zu 'reisen' oder die Innenseite unserer gemeinsamen Welt zu erleben.
Damit war die Instrumentalisierung des Schamanismus weitestgehend
abgeschlossen.